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About Coffee Togo

About Coffee Togo - Reparadius
Bildquelle: https://www.wisefood.eu

Lesezeit ca. 6 min

Zugegeben: Man kann nicht alles wissen. Aber man kann sich ein wenig bemühen. Mach ich also. Mit Kaffee kenne ich mich nicht so sehr aus. Früher habe ich mehr getrunken. Heute bloss noch zum Frühstück. Dachte immer, der Kaffee kommt von Äthopien oder von der Farm von Tanja Blixen. In den letzten Jahren aber stehen immer mehr Schilder in der Stadt, wo die Leute Kaffee aus Togo anbieten: Coffee Togo. Ich habe nachgesehen. Togo ist in Afrika, so in der Mitte, eher links. Ist ja schön, wenn man was dazulernt, grad was über die Zustände auswärts.

Normalerweise trinke ich meinen Kaffee zuhause, da sitze ich am Tisch dann. Aber ich wollte mal herausfinden, wie die Leute Ihren Kaffee aus Togo so trinken, und bin in ein solches Cafe gegangen, wo sie das anbieten.

Da gabs keine Stühle. Die Leute sind rein- und rausgerannt. Das muss was mit der togolesischen Lebensart zu tun haben. Vermutlich sind die Menschen aus Togo von ziemlich aufgeweckt bis hypernervös, wenn sie keine Zeit haben, den Kaffee im Sitzen zu trinken. Oder sie haben schon so viel Coffein im Blut, dass sie nicht auf dem Stuhl bleiben können. Wird wohl so sein. Deswegen auch keine Tassen aus Porzellan, sondern nur Pappbecher, ist sonst zu schwer zum Rumtragen, gerade auch beim Herumrennen.

Hab mich also in die Schlange gestellt vor der Kasse, um zu bestellen. Nun ist zwar Racial Profiling nicht in Ordnung, aber ich dachte mir, vielleicht ist ja ein Togolese dabei, den man dann ausquetschen könnte, wie das bei denen da unten so ist. War auf den ersten Blick aber keiner dabei, und ich habe mich geschämt wg. dem miesen Profiling von mir, ist ja political incorrect, weiss ich. Gespannt war ich ja schon, weil ich immer die Sorte Arabica nehme, und bislang noch keinen Togolica getrunken habe. Beim Warten in der Schlange hat dann die Kaffeebrauerin neuen Kaffee in den Filter geschüttet, aber das war aus einer Jacobs-Tüte.

Das hat mich froh gemacht, dass die Togolesen sich die gebrauchten Tüten aus Deutschland schicken lassen, und ich habe gesehen, dass die in Richtung Umweltschutz schon weiter sind als wir hier, was ja keiner denkt. Deswegen ist es auch eine schöne Sache, wenn man Kaffee aus Togo trinkt, weil das den Leuten da helfen tut, also praktische Entwicklungshilfe.

Als ich dann an der Reihe war, habe ich gesagt „einmal Togo“. Die Kaffeebrauerin hat dann „Zwofuffzich“ gesagt. Das fand ich schon teuer, aber habe zu mir selber gesagt, das ist ja für die Togolesen, und dann sind die Zwofuffzich gut angelegt. Die haben sogar Pappbecher mit eigenem Aufdruck, so wird gleich sichtbar, was für ein Kaffee da drin ist, nämlich der aus Togo. Und man sieht, dass sich die Weissen die Welt mit den Schwarzen teilen, der Druck ist halb schwarz und halb weiss. Das hat der Designer gut gemacht.

Weil soviel los war an der Kasse, konnte ich da nicht gross Fragen stellen und bin abgezogen in Richtung Ausgang. Damit beim Laufen nix von dem köstlichen Gift aus dem Becher schwappt, kriegt man einen Deckel drauf, auf dem steht: Wiederverwertbar. Das glaube ich gerne, weil wenn die die gebrauchten Jacobs-Tüten da runter schicken, ist in den Paketen bestimmt noch Platz für die Deckel. Da können die dann Rädchen für ihre Spielzeug-Autos draus machen oder was anderes Gutes.

Ich hab dann gekuckt, wie die Anderen das hinkriegen, ob die Stehenbleiben zum Trinken, oder ob die im Laufen trinken. Die haben im Laufen getrunken. Nun bin ich schon ein Freund des togolesischen Way of Life, habe aber Koordinationsschwierigkeiten wenn ich soviel gleichzeitig machen soll. Also laufen, Kaffee trinken, aufpassen, dass ich nicht stolpere und nach vorn schaun, dass ich keinen umrenne. Und dann muss ich auch noch das Handy halten, es könnt ja einer anrufen, ausserdem laufen heute alle mit dem tragbaren Telefon in der Hand herum und ich will nicht altmodisch sein.

Also habe ich mich entschieden stehenzubleiben. Damit ich als erstes das Handy in die Hosentasche stecke. Und dann den verdammt heissen Becher in die andere Hand nehmen kann. Um am Ende endlich den Kaffee zu probieren, den aus Togo. Deswegen bin ich ja extra unterwegs. Was soll ich sagen? Das ist ja immer so eine Sache mit dem ersten Mal. Da ist man noch nicht drauf gekommen. Dann schmeckts halt nicht so. Wie beim Sex. Na ja, es war nicht schlecht. Aber beim nächsten Mal werde ich die Finessen bestimmt herausschmecken. (Christoph Preussler)

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